Bevor in einer Hautstudie zum ersten Mal gemessen wird, passiert zwanzig Minuten lang nichts. Die Teilnehmenden sitzen in einem Raum mit 20 Grad und 50 Prozent Luftfeuchte und warten, bis sich ihre Haut an die Luft gewöhnt hat. Fachleitlinien betonen standardisierte Bedingungen, weil schon das Raumklima die Messwerte verschiebt. Danach kommt die Zahl, die später auf der Packung landet: „Hautfeuchtigkeit plus 25 Prozent“. Was steckt in dieser Zahl, und was nicht?

Sechs Quellen für eine Zahl

Wer eine Studie zu Peptid-Seren liest, begegnet immer denselben Instrumenten und Urteilen. Jedes beantwortet eine eigene Frage und liefert damit einen eigenen Endpunkt: eine Messgröße, an der eine Studie ihren Erfolg festmacht.

InstrumentWas es erfasstTypische Störgröße
CorneometerHydration der Hornschicht (elektrische Kapazität)Raumklima, Schweiß, Anpressung, Bediener
Profilometrie (Abdruck, Streiflicht, 3D)Oberflächenrelief, FaltentiefeAbdruckqualität, Lichtwinkel, Messort
CutometerMechanik: Elastizität, FestigkeitStandardisierung der Messung
TEWLWasserabgabe der Haut, Hinweis auf die BarriereLuftbewegung, Temperatur, Luftfeuchte
ExpertenbewertungSichtbares Bild auf einer SkalaPrüferschulung, Verblindung
SelbstbewertungEmpfinden der TeilnehmendenErwartung, Erinnerung

Corneometer: Feuchte als elektrische Schätzung

Was es misst. Die Sonde legt ein elektrisches Feld an die Haut. Wie stark die Hornschicht das Feld beeinflusst, hängt vom Wassergehalt ab. Das Ergebnis sind Geräteeinheiten ohne festen Bezugspunkt, keine Prozent Wasser. Elektrische Verfahren gelten in den revidierten EEMCO-Leitlinien zur Messung von Wasser in der Haut weiterhin als bevorzugte Technik (Berardesca et al. 2018). Die Leitlinien halten aber auch fest, dass Standardisierung und Validierung der Instrumente eine Herausforderung bleiben.

Was es nicht misst. Die Barriere, die Tiefe des Wassers in der Haut, das Aussehen. Ein höherer Wert heißt: Die Oberfläche hat mehr Kapazität, nicht: Die Haut ist jünger. Die „plus 25 Prozent“ sind also 25 Prozent mehr Geräteeinheiten gegenüber dem Ausgangswert, an einer Stelle, unter bestimmten Bedingungen, gemessen von bestimmten Händen. Das ist eine echte Information, nur eine kleinere, als die Packung suggeriert. Das Gerät lügt nicht, aber es antwortet auf die Frage, die man ihm stellt.

Wo es kippt. Bei Raumluft, Schweiß, Anpressung der Sonde und Messstelle. Die Methodenstudie von Aiello et al. 2025 hat ein Corneometer an 10 Teilnehmenden im Alter von 18 bis 34 Jahren an Unterarm und Gesicht geprüft. Die Variationskoeffizienten, also die Streuung wiederholter Messungen im Verhältnis zum Mittelwert, lagen meist unter 10 Prozent. Zwischen verschiedenen Bedienern streuten die Werte stärker, etwa durch leicht abweichende Sondenposition oder Anpressdruck. Die Autoren empfehlen Schulung und standardisiertes Vorgehen. Die Stichprobe ist klein, und die 20 Minuten Akklimatisierung bei 20 ± 2 °C und 50 ± 5 % relativer Luftfeuchte hat die Studie nach Literaturvorgaben festgelegt, nicht selbst untersucht.

Profilometrie: wie man eine Falte misst

Die Frage „Wie tief ist die Falte?“ lässt sich auf mindestens drei Arten beantworten. Damit die „Faltentiefe minus 9 Prozent“, die neben der Feuchtezahl auf Packungen steht, etwas bedeutet, muss man wissen, welche.

Silikonabdruck (Replika). Von der Haut, etwa im Augenwinkel, wird ein Abdruck genommen und im Labor optisch ausgewertet. Eine technische Studie zur Schattenanalyse mit Abdrücken von neun Frauen fand, dass sich die Tiefe bekannter Referenzrillen genau messen ließ und der Parameter „maximale Tiefe“ gut mit der Expertenbewertung von Krähenfüßen korrelierte (Houser et al. 2017). Die Stichprobe ist klein, drei der vier Autoren arbeiten bei einem Auftragsprüfinstitut.

Streiflicht und Bildanalyse. Ein Foto mit seitlich einfallendem Licht wirft Schatten in die Falten, Software wertet Länge, Breite und relative Tiefe aus. Die Entwickler der SWIRL-Methode, die bei einem Auftragsprüfinstitut arbeiten, berichten Korrelationen von etwa 0,8 mit klinischen Bewertungen (Jiang et al. 2013).

3D-Bildgebung wie PRIMOS. Hier wird das Relief berührungslos per Lichtprojektion erfasst. Eine offene Studie zu einem Serum mit Tripeptid ohne Kontrollgruppe kombinierte über 56 Tage PRIMOS-Analyse mit wiederholter Selbstbewertung (Lintner et al. 2020). Hier dient sie nur als Beispiel für das Messverfahren. Über die Wirkung des Serums sagt ein Design ohne Vergleichsgruppe wenig.

Was sie nicht messen: Alterung. Profilometrie erfasst Relief, an einer Stelle, mit einem Verfahren. Wo sie kippt: bei der Abdruckqualität, dem Lichtwinkel und der Frage, ob dieselbe Stelle nach Wochen wiedergefunden wird.

Cutometer und TEWL: Mechanik und Barriere

Cutometer. Was es misst: Das Gerät saugt ein kleines Hautstück in eine Öffnung und erfasst, wie weit es sich verformt und wie schnell es zurückfedert. Was nicht: Es sagt nichts über Falten oder Hydration. Wo es kippt: bei der Standardisierung. Die EEMCO-Leitlinie zur Hautmechanik beschreibt Saugverfahren als Standardinstrumente, benennt Grenzen der Standardisierung und empfiehlt für Interventionsstudien zur Mechanik mindestens 30 bis 40 Teilnehmende (Monteiro Rodrigues, Fluhr 2020). Studien mit 10 oder 20 Personen sind für diesen Endpunkt also eher Orientierung als Beleg.

TEWL. Was er misst: Der transepidermale Wasserverlust zeigt, wie viel Wasser die Haut an die Luft abgibt, ein Hinweis auf die Barrierefunktion. Was nicht: Hydration der Hornschicht, das ist eine andere Größe. Wo er kippt: bei Klima und Luftbewegung. Die EEMCO-Leitlinie zu TEWL hält fest, dass eine große Zahl an Variablen die Messung beeinflusst und standardisierte Bedingungen entscheidend für verlässliche Ergebnisse sind (Rogiers 2001). Ohne Angaben zum Raumklima lässt sich ein TEWL-Wert kaum einordnen.

Gerät, Prüferin, Teilnehmerin: Wer eicht wen?

Misst das Gerät, sieht die Prüferin oder fühlt die Teilnehmerin? Die Antworten sind verschieden, aber nicht unabhängig voneinander. Wie gut ein Faltenmessgerät ist, prüfen Methodenstudien zu einem guten Teil daran, wie gut es mit dem Urteil geschulter Prüfer übereinstimmt (Houser 2017, Jiang 2013). Houser hat das Gerät zusätzlich an Rillen mit bekannter Tiefe getestet. Das „objektive“ Gerät muss sich also auch am „subjektiven“ Auge messen lassen. Teilnehmende berichten ihr Empfinden, das echt sein kann und trotzdem von Erwartung geprägt ist. Wie sich dieser Effekt in Studien auswirkt, steht im Artikel zum Vehikel-Effekt.

Split-Face aus Messsicht

Der Vorteil eines Split-Face-Designs: gleiche Person, gleiche Umwelt, und die Auswertung verrechnet jede Person nur mit sich selbst. Die Grenzen sind messtechnischer Natur:

  • Verschleppung. Produkt kann durch Berührung oder Abwaschen auf die andere Seite gelangen.
  • Seitenzuordnung. Gesichtshälften sind nicht symmetrisch. Ohne zufällige Zuordnung von Produkt zu Seite wirkt ein Asymmetrie-Effekt wie ein Produkteffekt.
  • Messorte. Die Messpunkte links und rechts müssen deckungsgleich definiert und über Wochen wiedergefunden werden.

Ein Beispiel für beschriebene Zuordnung ist die Studie zu einem Pentapeptid von Robinson et al. 2005: 93 Frauen im Alter von 35 bis 55 Jahren, zwölf Wochen, doppelblind, links-rechts randomisiert. Die Autoren berichten eine signifikante Verbesserung gegenüber der Kontrollcreme bei Falten und feinen Linien. Die Autorenzeile nennt Procter & Gamble, die Studie ist 21 Jahre alt, und ihr Ergebnis gilt für diese Formulierung, nicht für Peptid-Seren im Allgemeinen.

Messbar ist nicht gleich relevant

Ein Endpunkt kann statistisch eindeutig sein und trotzdem wenig bedeuten, weil die Änderung kleiner ist, als ein Mensch sie wahrnehmen würde. Fachleute nennen das fehlende klinische Relevanz. Umgekehrt kann etwas gefühlt sein, ohne dass ein Gerät es erfasst. Und weil eine Studie oft ein Dutzend Werte erhebt, legt sie vorab fest, welcher davon zählt: den primären Endpunkt. Sonst lässt sich hinterher immer irgendein Wert finden, der gut aussieht. Wie Studien ohne Vergleichsgruppe einzuordnen sind, steht im Beitrag zur Open-Label-Studie.

Vier Fragen, live an Robinson 2005

  1. Welche Geräte, welche Parameter? Robinson et al.: technische Bildanalyse der Falten, dazu Expertenbewertung der Bilder und Selbstangaben.
  2. Welche Bedingungen sind angegeben? Akklimatisierung, Raumklima, Messstelle. Das Abstract nennt dazu nichts, der Volltext wäre die nächste Station.
  3. Wer hat gemessen, und war die Person verblindet? Die Studie nennt sich doppelblind.
  4. Welcher Endpunkt war vorab der primäre? Das Abstract weist keinen primären Endpunkt aus. Wer die Frage klären will, sucht im Volltext.

Rechtlich müssen Werbeaussagen für Kosmetika nach der Verordnung (EU) Nr. 655/2013 belegt sein, mit Methoden, die dem Stand der Technik entsprechen (Kriterium 3). Details stehen im Beitrag zu den sechs EU-Kriterien.

Zurück im Warteraum: Die zwanzig Minuten Stillsitzen sind der sichtbarste Teil einer Messung, die viel mehr Stellschrauben hat, als eine Prozentzahl erkennen lässt.